Orange Wein polarisiert, fasziniert und erobert die Weinkarten der Welt. Doch was steckt wirklich hinter diesem Trend? Hier gibt es einen Blick hinter die Kulissen dieser besonderen Weinart. Dieser Leitfaden zeigt, warum Orange Wein zunehmend an Beliebtheit gewinnt und beleuchtet Geschichte, Herstellung, Geschmack und Foodpairing.
Was sind Orange Weine?
Orange Weine sind im Jahr 2026 längst kein kurzlebiger Trend mehr, sondern haben sich auch in Österreich mittlerweile als kleiner, aber dennoch fester Bestandteil in der modernen Weinszene etabliert. Trotz des Namens wird Orange Wein nicht aus Orangen hergestellt. Vielmehr handelt es sich dabei um Weißweine, die ähnlich wie Rotweine vinifiziert werden. Das Besondere: Die Traubenschalen bleiben während der Gärung über einen längeren Zeitraum im Kontakt mit dem Most. Genau dieser Prozess verleiht Orange Weinen ihre charakteristische Farbe, Struktur und Aromatik.
Gerade österreichische Winzer haben diese ursprüngliche Art der Weinbereitung in den letzten Jahren neu interpretiert. Im Burgenland, einer der spannendsten Weinregionen Österreichs, entstehen Orange Weine mit großer Tiefe, Individualität und starkem Terroirbezug.
Geschichte des Orange Weins
Die Ursprünge des Orange Weins reichen mehrere tausend Jahre zurück. Bereits vor rund 3.000 bis 5.000 Jahren stellten Winzer im heutigen Georgien Wein her, indem sie weiße Trauben mitsamt Schalen in Tonamphoren, sogenannten Qvevris, vergoren. Diese Methode gilt als eine der ältesten Formen der Weinherstellung überhaupt.
In Österreich gewann diese traditionelle Herstellungsweise vor allem ab den 1990er-Jahren wieder an Bedeutung. Visionäre Winzer, begannen, sich bewusst von industriellen Produktionsmethoden zu lösen und auf handwerkliche, naturnahe Weinbereitung zu setzen. Orange Weine wurden so zu einem Ausdruck von Herkunft, Boden und Jahrgang.
Heute zählt Österreich u.a. neben Italien, Frankreich, Slowenien und Deutschland zu den wichtigsten Ländern für hochwertige Orange Weine. Das Burgenland nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein, da Klima, Bodenvielfalt und Rebsorten ideale Voraussetzungen für strukturierte, langlebige Orange Weine bieten.
Wie werden Orange Weine hergestellt?
Der entscheidende Unterschied: Maischegärung
Der zentrale Unterschied zwischen klassischen Weißweinen und Orange Weinen liegt in der Maischegärung. Während bei Weißwein die Traubenschalen sofort nach dem Pressen entfernt werden, verbleiben sie bei Orange Weinen für Tage, Wochen oder sogar Monate im Most.
Durch den Kontakt mit den Schalen lösen sich Tannine, Farbstoffe, Aromavorstufen und Phenole. Diese Bestandteile sorgen für die typische orangefarbene bis bernsteinartige Tönung und die komplexe Struktur des Orange Weins.
Natürliche Vinifikation
Viele Orange Weine entstehen im Rahmen der Naturweinbewegung. Das bedeutet:
- Spontangärung mit wilden Hefen
- Kaum oder keine Schwefelzugabe
- Keine Schönung oder Filtration
- Häufig biologischer oder biodynamischer Anbau
Allerdings ist nicht jeder Orange Wein automatisch ein Naturwein. Die Begriffe überschneiden sich zwar oft, sind aber nicht identisch.
Ausbau und Reifung
Orange Wein wird in unterschiedlichen Gefäßen ausgebaut:
- Tonamphoren (Qvevri)
- Holzfässer
- Betontanks
- Edelstahltanks
Jedes Material beeinflusst den Charakter des Weins auf seine eigene Weise. Amphoren fördern beispielsweise die Mikrooxidation, ohne Holznoten abzugeben.
Ein sogenanntes Betonei am Weingut Salzl in Illmit: In diesem Behälter ohne Ecken und Kanten kann sich der Wein fließend bewegen und er wird in Folge cremiger und mineralischer. Durch das thermische Verhalten des Betons wird der Wein besonders gut gekühlt und er schmeckt so frischer und fruchtiger und bleibt auch lange lagerfähig.
Orange Weine vom Weingut Christa & Rudi Salzl
Seit Jahren erzeugen wir bei uns am Weingut in Illmitz Orange Wein. Zum einen den im Holzfass gelagerten Traminer Orange: Ein ein intensiv nach Rosen duftender Orange Wein, der unsere Kunden mit seinem lang anhaltenden Geschmack nach Trockenfrüchten überzeugt. Unser zweiter Orange Wein den wir auch in Handarbeit erzeugen ist der EVOLUTION. Ein maischevergorener, unfiltrierter und milder Grauburgunder.
Farbe, Geschmack und Aromatik von Orange Weinen
Warum sind Orange Weine orange?
Die Farbe der Orange Weine entsteht durch die Extraktion von Farbstoffen aus den Traubenschalen. Je nach Rebsorte, Maischestandzeit und Ausbau variiert die Farbe von hellem Goldgelb über Kupfer bis hin zu tiefem Bernstein.
Geschmackliche Vielfalt
Orange Weine zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Geschmacksvielfalt aus. Typische Aromen sind:
- Getrocknete Aprikosen
- Orangenschalen
- Honig
- Nüsse
- Kräuter
- Teeartige Noten
- Gewürze
Am Gaumen sind Orange Weine oft:
- Trocken
- Kräftig
- Tanninreich
- Strukturiert
- Mit moderater Säure
Diese Eigenschaften machen sie besonders vielseitig in der Kombination mit Speisen.
Beliebte Rebsorten für Orange Wein in Österreich
Österreich verfügt über eine Vielzahl verschiedenster Rebsorten, die sich hervorragend für Orange Wein eignen. Besonders im Burgenland entstehen daraus charakterstarke Interpretationen.
Häufig verwendete Rebsorten sind:
- Welschriesling – frisch, mineralisch und hervorragend strukturiert
- Grüner Veltliner – würzig, kraftvoll und sehr lagerfähig
- Grauburgunder (Pinot Gris) – dicht und komplex
- Chardonnay – elegant und tiefgründig
- Weißburgunder – fein und ausgewogen
- Traminer – intensiv aromatisch
Die Kombination aus pannonischem Klima, kalk- und schieferhaltigen Böden sowie alter Rebstöcke macht Orange Weine aus dem Burgenland besonders ausdrucksstark.
Orange Weine und Foodpairing
Dank ihrer Tanninstruktur und Aromatiefe eignen sich Orange Weine hervorragend als Speisenbegleiter. Sie schlagen eine Brücke zwischen Weiß- und Rotwein.
Perfekte Kombinationen:
- Asiatische Küche mit Gewürzen
- Orientalische Gerichte
- Pilzgerichte
- Gereifter Käse
- Vegetarische und vegane Speisen
- Fermentierte Lebensmittel
Orange Wein harmoniert besonders gut mit Gerichten, die für klassische Weißweine zu kräftig und für Rotweine zu leicht sind.
Orange Weine richtig servieren
Trinktemperatur
Die ideale Serviertemperatur liegt zwischen 12 und 14 Grad Celsius. Zu kalt serviert verlieren Orange Weine an Ausdruck, zu warm wirken sie schnell alkoholisch.
Glaswahl
Am besten eignen sich größere Weißwein- oder Burgundergläser, da sie den komplexen Aromen ausreichend Raum geben.
Dekantieren
Viele Orange Weine profitieren vom Dekantieren, besonders junge oder sehr naturbelassene Exemplare. Sauerstoff hilft, die Aromen zu öffnen und mögliche Reduktion abzubauen.
Lagerfähigkeit von Orange Weinen
Ein oft unterschätzter Aspekt ist das Reifepotenzial von Orange Wein. Durch die enthaltenen Tannine und Phenole sind viele von ihnen erstaunlich langlebig.
- Einfache Orange Weine: 3–5 Jahre
- Strukturierte Orange Weine: 10 Jahre und mehr
- Die Lagerung sollte kühl, dunkel und liegend erfolgen.
Österreich und das Burgenland als Zentrum der Orange Weine
Österreich zählt heute zu den international angesehensten Herkunftsländern für Orange Wein. Innerhalb des Landes nimmt das Burgenland eine Schlüsselrolle ein.
Typische Merkmale burgenländischer Orange Weine sind:
- Reife Trauben durch warmes pannonisches Klima
- Klare Herkunftscharakteristik
- Große Struktur und Lagerfähigkeit
- Handwerkliche Produktion in kleinen Mengen
Neben dem Burgenland sind auch die Steiermark und Niederösterreich wichtige Regionen. Dennoch gilt das Burgenland als stilprägend für moderne österreichische Orange Weine.
Fazit: Orange Wein
Orange Weine sind weit mehr als eine Modeerscheinung. In Österreich, und insbesondere im Burgenland, stehen sie für handwerkliche Perfektion, Respekt vor der Natur und einen unverfälschten Ausdruck des Terroirs. Die Verbindung aus jahrtausendealter Technik und moderner Weinphilosophie macht burgenländische Orange Weine einzigartig.
Ob als anspruchsvoller Speisenbegleiter, als langlebiger Wein für den Keller oder als Botschafter einer neuen österreichischen Weinkultur, Orange Weine aus dem Burgenland verdienen besondere Aufmerksamkeit. Wer sie probiert, entdeckt nicht nur einen Wein, sondern eine Haltung.


